Kiichiro Osoreda ist eine Nebenfigur aus dem Manga-, Anime-, Film- und Drama-Franchise Death Note, der als drogenabhängiger Bankräuber und Busentführer auftritt und als Versuchsperson für den Plan von Light Yagami dient.
Er fungiert als frühes Beispiel dafür, wie das Death Note genutzt wird, um komplexe Handlungsabläufe und scheinbar natürliche Todesfälle zu inszenieren.
Kiichiro Osoreda ist ein klein gewachsener, drogenabhängiger Mann mittleren Alters, der bereits vor seinem Auftritt als Serienfigur mehrere schwere Verbrechen begangen hat.
Er tötet bei einem misslungenen Banküberfall drei Zivilisten und flieht anschließend, was ihn schließlich in die direkte Einflusszone von Light Yagami bringt.
Osoreda wird von Light nicht aus moralischen, sondern aus taktischen Gründen ausgewählt: Er soll als „Versuchskaninchen“ dienen, um die Identität des ihn beschattenden Ermittlers Raye Penber herauszufinden.
Durch das Death Note wird sein weiteres Verhalten minutiös vorgeschrieben, einschließlich der Busentführung, seiner Panikreaktion und seines Todes.
Innerhalb der Geschichte gilt Osoreda als eindeutig schuldiger Krimineller ohne wirkliche Sympathiewerte.
Trotzdem zeigt die Episode, dass selbst bei einem solchen Täter Unbeteiligte – Busfahrer, Fahrgäste und der Unfallfahrer – erheblich leiden und rechtlich wie psychisch belastet werden.
Bankraub und Mordserie
Am 18. Dezember 2003 begeht Kiichiro Osoreda in der Innenstadt einen bewaffneten Banküberfall, der scheitert.
Während seiner Flucht erschießt er mit einer Pistole drei unbeteiligte Zivilpersonen und wird daraufhin landesweit in den Nachrichten gesucht.
Light Yagami sieht die Berichte über Osoreda in einer Nachrichtensendung und erkennt ihn als ideale Person für einen kontrollierten Test des Death Note.
Weil Osoreda ohnehin auf der Flucht ist und bereits mehrfach getötet hat, erscheint er Light als perfekter Kandidat, um ein komplexes Szenario zu konstruieren, das nicht sofort mit Kira in Verbindung gebracht wird.
Busentführung
Am 20. Dezember 2003, zwei Tage nach dem Bankraub, löst Osoreda während seiner Flucht eine Busentführung aus.
Er steigt an der Haltestelle „Osttor Park Hanazono Bezirk 3“ in den Linienbus Nummer 124 Richtung Vergnügungspark „Spaceland“ ein und bedroht den Fahrer Sasaki mit einer geladenen Pistole.
Osoreda fordert als Lösegeld die Tageseinnahmen des Vortags von Spaceland.
Das Geld soll von einer einzelnen Frau mit einem Auto zur Haltestelle „Sonnenuntergangsstrand“ gebracht werden, zwei Stationen vor dem Vergnügungspark, und er droht ausdrücklich, bei jeglichem Trick oder einer Alarmierung der Polizei die Passagiere nacheinander zu erschießen.
Unter den Fahrgästen befinden sich Light Yagami, Raye Penber – der Light verdeckt beschattet – sowie eine junge Frau namens Yuri.
Nach außen wirkt die Situation wie eine typische Busentführung durch einen verzweifelten, drogenabhängigen Schwerverbrecher.
Manipulation durch das Death Note
Was Osoreda nicht weiß: Sämtliche seiner Handlungen in diesem Zeitraum sind im Death Note festgelegt.
Light hat präzise notiert, wie Osoreda die Busentführung durchführen, welche Forderungen er stellen und wie er letztlich sterben soll.
Im Skript des Death Note ist festgehalten, dass Osoreda „eine schreckliche, nicht von dieser Welt stammende Erscheinung“ sehen wird, in Panik gerät, alle Patronen verschießt und schließlich beim Versuch zu fliehen von einem Auto überfahren wird.
Um dies auszulösen, lässt Light unauffällig ein Stück des Death Note-Papiers fallen, das Osoreda aufhebt und berührt.
Durch die Berührung des Notizbuchfragments erhält Osoreda die Fähigkeit, den Shinigami Ryuk zu sehen, der sich auf dem Rücksitz des Busses befindet.
Als er Ryuk erblickt, interpretiert sein von Drogen und Paranoia gezeichneter Geist die Erscheinung als furchterregende Halluzination und verliert völlig die Kontrolle.
Panik, Schüsse und Tod
Von panischer Angst überwältigt, feuert Osoreda sämtliche Patronen seiner Waffe auf Ryuk ab, ohne natürlich irgendeinen Effekt erzielen zu können.
Keiner der Anwesenden erkennt, worauf er eigentlich schießt, sodass sein Verhalten von außen wie ein klassischer drogeninduzierter Wahn wirkt.
Als er bemerkt, dass seine Waffe leer ist, stürzt Osoreda in blindem Fluchtinstinkt aus dem Bus, um dem vermeintlichen „Monster“ zu entkommen.
Direkt nach dem Verlassen des Fahrzeugs wird er von einem herannahenden Auto erfasst und tödlich verletzt.
Gemäß der im Death Note festgelegten Details erfolgt der Unfall am 20. Dezember 2003 um 11:45 Uhr.
Die offizielle Todesursache wird später als Unfalltod infolge von Drogenmissbrauch und daraus resultierenden Halluzinationen eingestuft.
Wahrnehmung durch Polizei und Ermittler
Da Osoreda nachweislich ein schwer drogenabhängiger Täter war, interpretieren Raye Penber, die Polizei und die Medien sein Verhalten als folgend: Er habe im Rauschzustand Halluzinationen erlebt und deshalb wahllos geschossen.
Sein plötzlicher Fluchtversuch aus dem Bus wird ebenfalls als panische Reaktion auf diese Halluzination gedeutet.
Damit gilt der Fall offiziell nicht als Handlung von Kira, sondern als tragischer, wenn auch durch Osoredas eigenes Verbrechen ausgelöster Unfall.
Naomi Misora, eine äußerst scharfsinnige Ermittlerin, hegt jedoch Zweifel und vermutet, dass Osoredas Tod mit Kira in Verbindung stehen könnte.
Tragweite für Unbeteiligte
Obwohl Osoreda ein mehrfacher Mörder ist, bleibt der Vorfall für Unbeteiligte traumatisch und juristisch folgenreich.
Der Fahrer des Autos, das Osoreda überfährt, muss mit einem sofortigen Führerscheinentzug, einer möglichen strafrechtlichen Verfolgung wegen fahrlässiger Tötung und zivilrechtlichen Schadenersatzforderungen rechnen.
Auch der Busfahrer Sasaki und die Passagiere, darunter Yuri, werden unfreiwillig in eine lebensbedrohliche Situation gezogen und erleiden sicherlich psychische Belastungen.
Die Episode zeigt deutlich, wie Lights Einsatz des Death Note zwar „unbemerkte“ Tode erzeugt, gleichzeitig aber Unschuldige massiv belastet – selbst wenn das Ziel ein „unstrittig böser“ Verbrecher ist.
In der Mangavorlage benutzt Kiichiro Osoreda einen Colt Detective Special, einen Revolver mit sechs Schuss.
Die Szene ist so angelegt, dass die begrenzte Patronenzahl eine Rolle spielt, da er exakt alle Kugeln im Schockzustand auf Ryuk verschießt.
In der Anime-Adaption und in der Realverfilmung wird seine Waffe in eine Tokarev TT-33, eine halbautomatische Pistole, geändert.
Diese Änderung ist rein visueller und stilistischer Natur und beeinflusst den Plot nicht wesentlich, da auch hier das komplette Magazin leer geschossen wird.
Die Tatsache, dass Osoreda seine gesamte Munition auf eine für andere unsichtbare Gestalt abfeuert, verstärkt für die Umstehenden den Eindruck einer schweren Drogenpsychose.
Damit fügt sich sein Verhalten nahtlos in die von den Ermittlern angenommene Erklärung ein und verdeckt die Rolle des Death Note.
Filmversion
In der Realverfilmung wird Kiichiro Osoreda von Sarutoki Minagawa dargestellt.
Seine Hintergrundgeschichte bleibt im Kern gleich, wird jedoch in einige Details angepasst.
Der Tatort des Banküberfalls wird in die Stadt Fujisawa in der Präfektur Kanagawa verlagert.
Osoreda ist dort mit zwei Komplizen unterwegs, mit denen er drei Personen erschießt, bevor die beiden Partner schnell festgenommen werden.
Osoreda ist der einzige, dem die Flucht zunächst gelingt, was ihn zur Hauptfigur der Nachrichtenberichte macht.
Light Yagami sieht seine Daten in einer Nachrichtensendung und nutzt ihn – wie im Original – als Testobjekt für ein ausgeklügeltes Death-Note-Szenario.
In dieser Version fordert Osoreda das Geld aus der Kasse des Busbetriebs „Keinan Bus“, genauer gesagt die Einnahmen des Depots „Okugawa“.
Er verlangt eine Summe von einer Milliarde Yen und versucht, diese wie im Original über eine Busentführung zu erpressen.
Trotz kleiner Änderungen am Setting folgt die Szene demselben Muster: Osoreda wird durch das Death Note manipuliert, verfällt in Panik, verschießt seine Munition und verlässt den Bus.
Kurz darauf wird er von einem nachfolgenden Geländewagen, einem Isuzu BigHorn, erfasst und mit überzeichneter, fast slapstickhafter Wucht erfasst, was im Film wie eine übertriebene, „comicartige“ Darstellung wirkt.
In der Filmversion wird sein Alter mit 36 Jahren angegeben.
Auch hier erscheint sein Tod nach außen hin wie ein Unfall eines gefährlichen, drogenabhängigen Verbrechers, nicht wie ein gezielter Eingriff Kiras.
Eine visuelle Randnotiz der Filmversion: Der von Osoreda entführte Bus ist großflächig mit einer Werbeanzeige von Misa Amane beklebt.
Dadurch wirkt das Fahrzeug fast wie ein „Fan-Bus“ und stellt eine frühzeitige, visuelle Verknüpfung zwischen Osoredas Episode und Misas späterer Bedeutung im Gesamtplot her.
TV-Drama-Version
In der Fernsehserie wird Kiichiro Osoreda von Takahiro Togawa gespielt.
Sein Charakter wird hier etwas jünger dargestellt als im Manga und in der Filmversion.
Die wichtigste Änderung im Drama besteht darin, dass die visuelle Interaktion mit Ryuk entfällt.
Osoreda bekommt den Shinigami nie zu Gesicht, das Element der übernatürlichen Halluzinationen wird also vollständig gestrichen.
Statt durch die Sicht auf Ryuk in Panik zu geraten und aus dem Bus zu fliehen, bleibt Osoreda im Fahrzeug.
Er lächelt auf rätselhafte Weise und begeht schließlich mit seiner eigenen Pistole Selbstmord, was seine Figur im Drama innerlich noch instabiler und fatalistischer erscheinen lässt.
Der Tod wirkt hier weniger wie ein unfallartiges Ergebnis von Panik und mehr wie eine bewusste, aber psychisch gestörte Entscheidung.
Trotzdem liegt im Hintergrund weiterhin die Manipulation durch das Death Note, auch wenn diese für Außenstehende nicht erkennbar ist.
In der Mangavorlage gibt es eine kleine Kontinuitätsungewöhnlichkeit bezüglich des Autos, das Osoreda überfährt.
In einer Episode wird es als Nissan Sunny der Baureihe B14 dargestellt, in einer folgenden Ausgabe ist dasselbe Fahrzeug plötzlich ein Honda Accord der CF-Serie.
In der Anime-Adaption wird dieses Auto durch einen Toyota Crown der 170er-Baureihe ersetzt.
In der Realverfilmung übernimmt schließlich ein Isuzu BigHorn die Rolle des Unfallfahrzeugs.
Solche Varianten sind für Adaptionen typisch und haben keine inhaltliche Auswirkung auf die Geschichte.
Für Fans mit Blick für Details sind sie jedoch ein amüsanter Hinweis auf die Freiheit, die sich die jeweiligen Produktionsteams bei Fahrzeug- und Kulissenauswahl nehmen.
Im Anime wird Kiichiro Osoreda von Katsuji Hōki in der Originalvertonung gesprochen.
Seine Stimme betont Osoredas Nervosität, Aggressivität und den drogenbedingten Kontrollverlust.
In der Realfilm-Adaption übernimmt Sarutoki Minagawa die Rolle.
Er gestaltet Osoreda als lauten, etwas chaotischen, aber gleichzeitig bedrohlichen Verbrecher.
In der TV-Drama-Version wird Osoreda von Takahiro Togawa verkörpert.
Dort erhält die Figur eine leicht andere Ausstrahlung, da sein Tod als Selbstmord inszeniert ist und sein Gesichtsausdruck kurz vor dem Ende eher rätselhaft als panisch wirkt.
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