Mikoto Urabe ist die weibliche Hauptfigur des Manga- und Animewerks Nazo no Kanojo X, eine verschlossene, rätselhafte Schülerin, die als zweite Klasse der Oberstufe an die Kazamidai-Oberschule wechselt und zur titelgebenden „mysteriösen Freundin“ wird.
Mikoto Urabe besucht die Klasse 2-A der Kazamidai-Oberschule und gilt als unnahbare, seltsam wirkende Mitschülerin.
Ihr Privatleben, ihre Familie und ihre Vergangenheit sind nahezu vollständig von Geheimnissen umgeben.
Sie hat einen strubbeligen Kurzhaarschnitt mit ungleichmäßigen Spitzen, die dichten Ponyfransen reichen ihr bis zur Nase und verdecken fast immer ihr Gesicht.
In wichtigen Momenten lüftet sich der Pony, sodass meist ihr linkes, klar umrissenes Auge zu sehen ist.
Ihre Augen sind leicht mandelförmig und dreifach weiß sichtbar, was sie streng und wach wirken lässt.
Frühe Darstellungen zeigen sie jedoch eher mit müden, halb geschlossenen Augen, was in der Animeversion optisch teilweise beibehalten wurde.
Obwohl sie sich kaum stylt und ihre Haare oft ungekämmtem Bettkopf gleichen, gilt sie als ziemlich hübsch und körperlich gut gebaut.
Mit der Zeit sprechen sich ihre gute Figur und ihr attraktives Gesicht in der Klasse herum, auch wenn sie selbst dem wenig Bedeutung beimisst.
Urabe wirkt zunächst extrem wortkarg, unnahbar und nahezu ausdruckslos.
Sie lächelt selten, kommentiert wenig und verbringt Pausen lieber schlafend auf dem Tisch, statt mit anderen zu reden.
Sie denkt sehr eigenwillig und nimmt „normale“ oder „allgemeine“ Verhaltensregeln nicht einfach hin.
Stattdessen analysiert sie Situationen logisch und stur aus ihrer eigenen Perspektive – selbst wenn das für andere völlig exzentrisch wirkt.
In Liebesdingen zeigt sie eine überraschend altmodische, fast puristische Einstellung.
Gleichzeitig schreckt sie jedoch vor radikalen oder bizarren Handlungen nicht zurück, was Akira Tsubaki immer wieder verwirrt.
Sie erklärt offen, dass sie noch nie in einen Jungen verliebt gewesen sei und keinerlei Beziehungserfahrung habe.
Bei Akiras Liebesgeständnis bezeichnet sie sich ausdrücklich als „Jungfrau“ und macht damit klar, dass sie körperliche Intimität bewusst ernst nimmt.
Viele ihrer extremen Aktionen folgen einer inneren Logik, die sie selten erklärt, die für sie selbst aber absolut schlüssig ist.
Darum schwankt der Eindruck, den sie hinterlässt, zwischen „übersinnliches Mädchen“, „kühle Analytikerin“ und „komplett seltsame Person“.
Am ersten Tag an der neuen Schule passiert ein entscheidender Moment im Unterricht.
Urabe blickt Akira Tsubaki an und hört plötzlich eine innere Stimme, die ihr mitteilt, sie werde die erste Person sein, mit der Akira Geschlechtsverkehr haben wird.
Diese Vision löst bei ihr einen unkontrollierbaren Lachanfall aus.
Mitten im Unterricht wirft sie sich vor Lachen auf den Boden, kann nicht aufhören und lehnt jede Erklärung als „extrem privat und unbeschreibbar“ ab.
Für ihre Mitschüler ist sie seitdem „das komische Mädchen“.
Urabe selbst belastet dieses Image allerdings nicht; sie scheint sich keine Gedanken über ihren Ruf zu machen.
In den Pausen schläft sie häufig allein an ihrem Platz und sucht keinen Kontakt zur Klasse.
Anfangs möchte sie keine Freundschaften, weil sie die besondere Verbindung über Speichel mit Akira als völlig ausreichend empfindet.
Erst durch Ayuko Oka entwickelt sich langsam eine echte Freundschaft.
Mit Ayuko kann sie über Beziehungen sprechen und sogar Gefühle austauschen – teilweise ebenfalls über ihre ungewöhnliche Speichel-Fähigkeit.
Im Laufe der Handlung wird ihre außergewöhnliche Sportlichkeit bei Schulveranstaltungen entdeckt und sie wird oft als Ass im Team eingesetzt.
Dadurch akzeptiert die Klasse sie zunehmend; sie bleibt zwar die „Exzentrikerin“, wird aber weitgehend freundlich behandelt.
Am Ende wirkt die Situation so, dass Ayuko ihre engste Freundin ist, aber die meisten Klassenkameraden ihr positiv gegenüberstehen.
Mobbing oder offene Ausgrenzung kommen in ihrem Umfeld praktisch nicht vor, Urabe führt einen eigenwilligen, aber ruhigen Schulalltag.
Urabe lebt gemeinsam mit ihrer Familie in einem Mehrfamilienhaus.
Wenn ihre Wohnung gezeigt wird, sind die Familienmitglieder allerdings immer gleichzeitig außer Haus und treten nie persönlich in Erscheinung.
Weder ihre Eltern noch mögliche Geschwister werden direkt gezeigt oder genauer beschrieben.
Die Familienkonstellation, ihre Kindheit und ihr Leben vor dem Schulwechsel bleiben vollständig im Dunkeln.
Bekannt ist lediglich, dass die Familie ihres Vaters in einem Küstengebiet lebt.
Daraus ergibt sich, dass Urabe an Meer und Wasser gewöhnt ist, was später ihre Begabung im Schwimmen erklärt.
Vor ihrem Auftauchen an der Kazamidai-Oberschule wird kein einziger früherer Freund oder Bekannter erwähnt.
Damit unterstreicht die Geschichte das Bild einer Person, deren Vergangenheit bewusst ausgespart bleibt.
Eine ihrer markantesten Eigenschaften ist ihre Fähigkeit, über Speichel Gefühle und Zustände zu übertragen.
Wenn sie jemandem ihren Speichel lecken lässt, kann diese Person Urabes Emotionen, Gedanken und teilweise körperliche Zustände wahrnehmen.
Umgekehrt kann Urabe durch das Lecken des Speichels einer anderen Person deren Gefühle und Gedanken empfangen.
Mitunter nimmt sie sogar Träume der vergangenen Nacht oder sehr alte, verdrängte Emotionen wahr.
Die Wirkung geht über rein psychische Aspekte hinaus und kann körperliche Zustände wie Verletzungen oder Krankheitssymptome übermitteln.
Diese Form des Austauschs tritt jedoch nicht bei jedem auf, sondern setzt eine besondere „Bindung“ zwischen zwei Personen voraus.
Eine der stärksten Bindungen besitzt sie zu Akira Tsubaki, mit dem sie über Speichel ein besonders tiefes Verständnis teilt.
Auch zu Ayuko Oka besteht eine Verbindung, die sowohl emotionale als auch physische Eindrücke über Speichel erfahrbar macht.
Akira beschreibt Urabes Speichel als „süß“.
Zwischen den beiden entwickelt sich eine Art privates Ritual, bei dem er regelmäßig einen Tropfen ihres Speichels zu sich nimmt und dadurch ihre Stimmung und ihren Zustand nachvollziehen kann.
Sogar über Schweiß kann Urabe bestimmte Informationen übertragen.
So gelingt es ihr etwa, dass Akira durch Körperflüssigkeiten ihre Erscheinung in Badebekleidung gedanklich miterlebt.
Wenn Urabe „etwas unglaublich Schönes“ widerfährt oder sie emotional überwältigt ist, beginnt aus ihrem Mund übermäßig viel Speichel zu fließen.
Dieses unkontrollierte „Überlaufen“ ist fast eine körperliche Reaktion auf intensive Freude oder Erregung.
Nachdem Akira ihr einmal das Ohr geleckt hat, entwickelt sie zudem eine neue körperliche Sensibilität.
Berührungen an ihren Ohren lösen fortan automatisch Tränen aus – ob aus Rührung, Freude oder bloßer körperlicher Sensation bleibt offen.
Urabes erklärtes Hobby sind Scheren.
Sie trägt ständig eine kleine Sicherheitsschere mit abgerundeten Spitzen bei sich.
Diese Schere steckt sie nicht einfach in eine Tasche, sondern klemmt sie direkt in den Rand ihrer Unterhose.
Daraus ergibt sich ihre berüchtigte Technik, die häufig „Hosen-Schere“ genannt wird.
Im Winter trägt sie bewusst keine durchgehende Strumpfhose, weil diese das Anbringen der Schere erschweren würde.
Stattdessen nutzt sie Strapse und separate Strümpfe, damit die Schere weiterhin sicher in der Unterwäsche klemmen kann.
Wenn Akira sie plötzlich umarmen oder ohne Anlass körperlich berühren will, reagiert sie unglaublich schnell.
In solchen Momenten aktiviert sie die „Hosen-Schere“, zieht die Schere blitzartig hervor und setzt sie mit erstaunlicher Präzision als „Waffe“ ein.
Ihre Scherentechnik ist so gut, dass sie als ernstzunehmendes Angriffsmittel dargestellt wird, obwohl es sich nur um eine Sicherheitsschere handelt.
Auf die Frage, warum sie so geschickt mit der Schere ist, antwortet sie lediglich: „Ich bin einfach so ein Mensch.“
Beim Herausziehen der Schere schlägt oft der Rock hoch, sodass ihre Unterhose für alle sichtbar wird.
Urabe stört sich daran kaum, solange es in Anwesenheit von Akira passiert und sie die Situation unter Kontrolle hat.
Vergisst sie jedoch ausnahmsweise, die Schere einzustecken, und zeigt unabsichtlich nur ihre Unterhose, ist es ihr plötzlich peinlich.
Das zeigt, dass sie sehr genau zwischen kontrollierter, zweckgebundener Entblößung und ungewollter Bloßstellung unterscheidet.
Auf Akiras Bitte hin fertigt sie einmal mit der Schere ein kunstvolles Scherenschnitt-Motiv, das eine Kamelie (passend zu Akiras Nachnamen) darstellt.
Er weist sie darauf hin, dass beim Herausziehen der Schere zwangsläufig ihre Unterwäsche zu sehen ist, doch sie entgegnet, dass ihr das vor einem Jungen, den sie liebt, nichts ausmacht.
Trotz ihrer distanzierten Art ist körperliche Nähe für sie nicht grundsätzlich tabu.
Sie lässt Akira gelegentlich ihre Brust berühren oder umarmt ihn von sich aus, wenn sie es für richtig oder „notwendig“ hält.
Urabe besitzt bemerkenswert gute körperliche Fähigkeiten.
Besonders in den Disziplinen Laufen und Schwimmen sticht sie deutlich hervor.
Durch die Herkunft der Familie ihres Vaters aus einer Meeresregion hat sie von klein auf viel Bezug zum Wasser.
Daher ist sie im Schwimmen sehr geübt und bewegt sich im Wasser außerordentlich sicher.
Im Sprint wird sie von der Leichtathletikmannschaft angesprochen, da ihre Zeiten auf Wettkampfniveau liegen.
Man traut ihr zu, es bei entsprechender Förderung bis zu landesweiten Schulmeisterschaften zu schaffen.
Sie selbst zeigt jedoch keinerlei Interesse an Wettbewerben oder Vereinsaktivitäten.
Viel wichtiger ist ihr, nach der Schule einfach zusammen mit Akira als „Nicht-Club-Mitglied“ nach Hause zu gehen.
Mit fortschreitender Handlung rückt sie bei Sportfesten und schulischen Wettkämpfen immer stärker in den Mittelpunkt.
Ihre Klasse betrachtet sie als Joker, der bei Staffelläufen oder anderen Disziplinen den Unterschied machen kann.
Trotz dieser Rolle bleibt sie innerlich distanziert gegenüber Ruhm oder Anerkennung.
Für sie sind körperliche Leistungen eher ein Nebeneffekt – der Kern ihres Lebens ist die besondere Beziehung zu Akira.
Zwischen Urabe und Akira entwickelt sich eine ungewöhnliche Liebesbeziehung, die stark durch die Speichel-Verbindung geprägt ist.
Zu Beginn versteht Akira die Natur dieser „Bindung“ kaum und wird von Urabes Verhalten regelmäßig aus der Fassung gebracht.
Sie nutzt ihre Fähigkeiten und ihre verschlossene Art, um ihn immer wieder zu testen und zu provozieren.
Dabei wirkt sie oft wie jemand, der bewusst Regeln setzt, die Akira erst nach und nach begreift.
Mit der Zeit lernt Akira, die Bedeutung des Speichels als Kommunikationsmittel zu akzeptieren und ernst zu nehmen.
Je besser er diese Bindung versteht, desto mehr öffnet sich Urabe ihm gegenüber auch auf „normalere“ Weise.
Seine zunehmende Sicherheit und Zuneigung sorgen schließlich dafür, dass die Rollen sich gelegentlich umkehren.
Wo sie anfangs die dominante, unberechenbare Seite ist, findet sie sich später öfter in der Situation wieder, von Akiras Initiative überrascht oder verlegen gemacht zu werden.
Urabe hat keinerlei vorherige Beziehungserfahrungen, was ihre Reaktionen manchmal besonders intensiv wirken lässt.
Sie tastet sich zum ersten Mal an körperliche und emotionale Nähe heran und kombiniert dabei ihre eigene Logik mit einem sehr ursprünglichen, ungeschützten Empfinden.
Viele ihrer Handlungen – vom Teilen von Speichel bis zum bewussten Zeigen von Schwäche – dienen dem Ziel, die Bindung zu Akira zu vertiefen.
Sie misst dem Wort „Freund“ und der Rolle als feste Partnerin große Bedeutung bei und ist bereit, dafür ungewöhnliche Wege zu gehen.
Ayuko Oka ist die Person, die Urabe am nächsten kommt – abgesehen von Akira.
Zwischen den beiden entsteht eine eigenwillige Mädchenfreundschaft, in der sie sehr offen über Liebe und Beziehungen sprechen.
Über Speichel tauschen Urabe und Ayuko sogar intime Informationen über ihre jeweiligen Erfahrungen in der Partnerschaft aus.
Dadurch entsteht eine tiefe, schwer erklärbare Vertrautheit, die über normale Schulkameradschaft hinausgeht.
Andere Mitschülerinnen und Mitschüler bleiben für Urabe eher Randfiguren.
Dennoch nimmt sie an gemeinsamen Aktivitäten teil und erfüllt bei Sportereignissen oder Klassenprojekten ihre Rolle zuverlässig.
Obwohl sie zunächst als Außenseiterin gilt, entwickelt sich in der Klasse eine überwiegend positive Grundstimmung ihr gegenüber.
Ihre besondere Begabung, ihre Loyalität gegenüber Akira und ihr unverstellter Charakter tragen dazu bei, dass man sie respektiert, auch wenn sie seltsam wirkt.
In der Anime-Adaption von Nazo no Kanojo X wird Mikoto Urabe von Ayako Yoshitani gesprochen.
Die Wahl dieser damals schauspielerisch, aber nicht als etablierte Synchronsprecherin bekannten Darstellerin stieß bei einigen Fans des Mangas zunächst auf Skepsis.
Der Regisseur Seiji Watanabe war der Ansicht, dass die Darstellung der Figur entweder stark in Richtung typischer Anime-Stimme oder eher in Richtung realistisches Spiel gehen würde.
Yoshitanis Performance überzeugte ihn jedoch dahingehend, dass sie beide Anforderungen übertraf, weshalb er sie bewusst auswählte.
Nach der Ausstrahlung der Serie änderte sich die Stimmung in großen Teilen der Fangemeinde.
Viele frühere Kritiker gaben zu, Yoshitanis Interpretation der Figur unterschätzt zu haben, und sahen ihre Stimme schließlich als sehr passende Verkörperung von Urabes eigenartigem, aber menschlichem Wesen.
Auf einer der letzten Seiten der Manga-Ausgabe findet sich ein Kommentar des Autors, der Urabes Grundidee humorvoll auf den Punkt bringt.
Sinngemäß heißt es dort, dass ein Mädchen, das beim Nickerchen sabbert, einfach süß sei – und genau so ein Mädchen sei die Protagonistin dieser Geschichte.
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