Carmilla ist die „Hexe der Wollust“ aus dem Universum von „Re:Zero – Starting Life in Another World“, eine äußerlich unscheinbare, aber extrem gefährliche junge Frau, deren Magie jede Form von Liebe, Selbstliebe und Begehren auf eine tödlich verzerrte Spitze treibt.
Name: Carmilla
Geschlecht: Weiblich
Rolle/Titel: Hexe der Wollust
Auftreten: Welt der „Re:Zero – Starting Life in Another World“
Status: Seit etwa 400 Jahren tot, existiert als von Echidna „gesammelte“ Seele in deren geistiger Welt
Art: Mensch (zu Lebzeiten), Trägerin eines Hexenfaktors
Geschätztes äußeres Alter: Spätes Teenageralter
Geburtstag: 19. Juni
– Erläuterung des Autors: 6 + 1 + 9 = 16, Zahlspiel zu „Farbe/Lust“
Körpergröße: 158 cm
Geschlecht: Weiblich
Haarfarbe: Hellrosa / blass rosé
Augenscheinliches Erscheinungsbild: Durchschnittlich hübsches Mädchen mit schmalem Körperbau
Image-Farben: Rot, Pink
Besondere Kleidung:
Langes, weißes Oberteil mit überlangen Ärmeln, sodass die Hände kaum hervorschauen („Moe-Ärmel“).
Synchronsprecherin (CV): Manaka Iwami (im Original)
Carmilla hat hellrosafarbenes Haar, das ihr ungefähr bis zur Mitte des Rückens reicht.
Ihr Körper ist schlank, die Brust eher klein, Arme und Beine wirken zart und dünn.
Ihr Gesicht ist „nett, aber normal“: die Züge sind zwar hübsch und symmetrisch, aber nicht so überragend, dass man spontan an eine sagenhafte Schönheit denken würde.
Genau das macht den Kontrast zu ihrem Ruf so interessant: Legenden bezeichnen sie als „Himmlische Schönheitsprinzessin“, deren Anblick alle in den Bann schlägt – die Realität ihrer physischen Erscheinung ist jedoch deutlich bodenständiger.
Sie trägt ein weißes, langes Oberteil mit viel Stoff an den Ärmeln, die ihre Hände fast komplett verbergen.
Dieser Stil unterstreicht ihre schüchterne, einrollende Art – sie wirkt, als wolle sie sich hinter ihrem eigenen Kleidungsstück verstecken.
Carmilla ist eine der sieben sogenannten „Hexen“, Frauen, die vor über 400 Jahren schwere Sünden auf sich geladen und die Welt mit Katastrophen überzogen haben sollen.
Innerhalb dieser Gruppe repräsentiert sie die Sünde „Wollust“ und ist Trägerin des Hexenfaktors der Wollust.
Sie wollte die Welt mit „Liebe“ erfüllen und verlieh deshalb nicht-menschlichen Wesen Gefühle.
Dadurch beeinflusste sie die Weltgeschichte tiefgreifend und ambivalent: Aus Zuneigung und Emotionalität entstanden ebenso Hoffnung wie Tragödien.
Trotz ihres Rufes als „Hexe der Wollust“ tritt sie nicht als verführerische Femme fatale auf, sondern als verängstigtes, stotterndes Mädchen.
Ihr wahres Ich wirkt eher wie eine überforderte, empfindliche Dorfjugendliche als wie eine dämonische Verführerin.
Zum Beginn der Handlung von „Re:Zero – Starting Life in Another World“ ist Carmilla schon seit Jahrhunderten tot.
Ihre Seele wurde von Echidna, der Hexe der Gier, „gesammelt“ und lebt nun in Echidnas innerer Welt fort, wo sie unter anderem Subaru Natsuki begegnet.
Grundcharakter
Carmilla spricht langsam, unsicher und mit häufigen Unterbrechungen, als würde sie ständig stolpern – sowohl über ihre Worte als auch über ihre Gefühle.
Sie wirkt permanent eingeschüchtert, ängstlich und nervös, als rechne sie jederzeit damit, angegriffen oder verurteilt zu werden.
Ihr Verhalten ist von starker Unsicherheit geprägt:
Sie entschuldigt sich schnell, zieht sich zurück und reagiert empfindlich auf scharfe Blicke und harsche Worte.
Schon eine etwas strengere Behandlung lässt sie innerlich in Panik geraten.
Gleichzeitig ist sie keineswegs einfach nur „lieb und harmlos“.
Sie ist laut Echidna „ein Klumpen aus Selbstliebe“ – ihr eigenes Wohlergehen steht für sie über allem.
Selbstschutz und Selbstliebe
Carmilla ist von einer extrem ausgeprägten Selbstliebe und Selbstschutz-Instinkt geprägt.
Solange sie sich sicher fühlt, ist sie weich, zurückhaltend und fast schon weinerlich.
Doch sobald sie das Gefühl hat, jemand wolle sie verletzen, betrügen, ausnutzen oder ernsthaft schlecht behandeln, kippt ihre Haltung.
Dann weicht das ängstliche Auftreten einem harten, nachtragenden, beinahe rachsüchtigen Willen.
Sie formuliert es selbst sinngemäß so:
Menschen, die sie betrügen, hassen oder ihr Böses wollen, „wird sie niemals verzeihen“.
Dieser Entschluss ist keine leere Drohung – wenn sie jemanden als echte Bedrohung für sich wahrnimmt, versucht sie, diese Person bis zum Äußersten zu bestrafen oder sogar zu töten.
Dieser Wille wirkt eher wie ein tief sitzender Groll als wie ein klarer moralischer Kodex.
Ihre Freundlichkeit endet dort, wo ihr Selbstschutz beginnt – und der ist bei ihr radikal.
Verhältnis zur Liebe
Trotz ihrer verzerrten Selbstliebe nimmt Carmilla das Thema „Liebe“ sehr ernst.
Sie hält Liebe für etwas Wertvolles und Wesentliches, das man nicht achtlos wegwerfen oder leugnen darf.
Sie lehnt es ab, dass echte Gefühle wie Zuneigung, Liebe und Verbundenheit klein geredet oder verdrängt werden.
Selbst wenn jemand diese Liebe nicht sehen oder wahrhaben will, besteht sie darauf: „Wenn Liebe da ist, dann ist sie da – sie lässt sich nicht einfach negieren.“
Sie verurteilt daher auch den respektlosen Umgang mit Liebe zwischen anderen Menschen – nicht nur, wenn es um sie selbst geht.
Wer Liebe verachtet oder ausnutzt, stößt auf ihre Ablehnung, selbst wenn sie ihre sonstige Angst nur mühsam überwindet.
Soziale Beziehungen
Unter den anderen Hexen ist Carmilla – abgesehen von ihrer Selbstbezogenheit – durchaus umgänglich.
Sie ist nicht von Natur aus grausam; sie ist vielmehr fragil, verletzlich und extrem auf sich selbst fokussiert.
Mit Typhon, der jüngsten der Hexen, spielt sie regelmäßig und scheint in diesen Momenten fast wie eine normale, etwas schüchterne große Schwester.
Das zeigt, dass sie durchaus zu echter Zuneigung und weichen Momenten fähig ist.
Ihr Verhältnis zu Echidna ist ambivalent:
Echidna nutzt Carmillas Gutmütigkeit und Unsicherheit gerne aus, was zu gelegentlichen Reibereien führt.
Gleichzeitig sorgt sie sich, wenn Echidna niedergeschlagen oder erschöpft wirkt, und spricht sie dann aus ehrlicher Besorgnis an.
Abseits ihrer Selbstschutzreflexe könnte Carmilla fast ein normales, wenn auch sensitives Mädchen sein.
Ihr Trauma und ihre Fähigkeit „verzerren“ diese Normalität jedoch ständig.
Carmilla ist Trägerin des Hexenfaktors der Wollust und kann damit mehrere äußerst mächtige und ungewöhnliche Einflüsse ausüben.
Ihr Hauptrecht ist die Fähigkeit, die unter dem Namen „Gesichtslose Göttin“ bekannt ist.
„Gesichtslose Göttin“ – Allgemeine Beschreibung
Diese Fähigkeit lässt sich grob als „Charm“ oder „Verführung durch Wahrnehmung“ beschreiben, ist aber viel weitreichender als einfache Anziehung.
Sie überlagert sowohl das äußere Bild als auch die innere Aufmerksamkeit derer, die sie sehen.
Die Fähigkeit scheint dauerhaft aktiv zu sein – Carmilla selbst kann sie nicht einfach ausschalten.
Daher war schon zu Lebzeiten jeder Spaziergang von ihr potenziell tödlich für Umstehende.
Man kann drei Hauptaspekte dieser Macht unterscheiden.
Aspekt 1: Erscheinung als „Wunschbild“
Wer Carmilla ansieht, sieht nicht unbedingt „Carmilla“.
Stattdessen erscheint sie dem Betrachter so, wie dieser es unterbewusst sehen möchte: als Verkörperung seiner Sehnsucht, seines Ideals oder einer geliebten Person.
Sie kann die Fantasien, Ideale und Erinnerungen eines Menschen nahezu perfekt nachbilden.
So hielt Subaru Natsuki sie bei ihrer ersten Begegnung irrtümlich für Rem, weil Carmillas Fähigkeit ihm automatisch diese Gestalt vorgaukelte.
Dadurch entstehen Missverständnisse, übersteigerte Projektionen und ungesunde Bindungen quasi automatisch.
Menschen glauben, sie würden eine Person lieben oder verehren, dabei sehen sie nur eine Illusion, die Carmilla – bewusst oder unbewusst – verkörpert.
Aspekt 2: Zwanghafte Aufmerksamkeit und tödliche „Vergessenheit“
Der zweite Aspekt ist der gefährlichste: Carmilla zieht den Fokus des Gegenübers vollständig auf sich.
Wer sie einmal wirklich wahrnimmt, kann den Blick kaum noch von ihr abwenden.
Diese extreme Fixierung hat eine bizarre Nebenwirkung:
Die Betroffenen „vergessen“, sich um sich selbst zu kümmern – zuerst unbewusst, dann buchstäblich.
Sie hören auf zu blinzeln, vergessen zu atmen, vernachlässigen jede körperliche Selbstwahrnehmung, bis hin dazu, dass der eigene Herzschlag „vergessen“ wird.
Am Ende sterben sie schlicht, weil ihr Körper ohne bewusste „Erinnerung“ an diese Vorgänge nicht weiterfunktioniert.
Historisch sollen unzählige Menschen so gestorben sein, während Carmilla durch die Welt ging – mit entrücktem Gesichtsausdruck und still kollabierenden Leichen in ihrer Spur.
Dass so wenige Menschen ihr wahres, „durchschnittliches“ Gesicht kannten, liegt genau daran: Kaum jemand, der sie sah, überlebte lange genug, um nüchtern über sie zu berichten.
Interessant ist, dass diese Fixierung nicht zwingend in Verliebtheit enden muss.
Als Subaru schließlich Carmillas wahre Gestalt erkennt, reagiert er mit Zorn und Ablehnung – aber dennoch droht er, durch Atemmangel zu kollabieren.
Die Fähigkeit zwingt also die Aufmerksamkeit auf sie, unabhängig davon, ob die Emotionen positiv oder negativ sind.
Man kann dem Effekt teilweise entgehen, indem man bewusst versucht, sie nicht wahrzunehmen oder den Blick abwendet.
Doch selbst das ist schwer, da ihre Präsenz geradezu mechanisch Aufmerksamkeit anzieht.
Laut Daphne, der Hexe des Hungers, wäre Carmilla im Stande, sogar die „Große Bestie“ namens „Großer Hase“ mit dieser Fähigkeit auszuschalten.
Ob das nur an der reinen Fokussierung liegt oder ob ihre Macht noch weitere, nicht gezeigte Facetten hat, bleibt offen – in jedem Fall deutet es auf ein enormes Zerstörungspotential hin.
Mit der Hexe des Neids, Satella, soll ihre Fähigkeit dagegen schlecht harmonieren.
Die Art und Weise, wie Satella Besitz ergreift und andere verschlingt, scheint Carmillas charmbasierte Mechanik an ihre Grenzen zu bringen.
Aspekt 3: Stimmen derjenigen, die lieben
Der dritte Aspekt ihrer Macht wirkt subtiler und weniger zerstörerisch, kann aber seelisch extrem tief greifen.
Carmilla ist in der Lage, in den Herzen anderer die Stimmen derjenigen wachzurufen, die diese Person geliebt haben oder noch lieben.
Praktisch bedeutet das:
Sie greift auf Erinnerungen und Gefühle zu, fischt die Gestalten hervor, die dem Betroffenen besonders zugetan waren, und lässt diese innerlich „zu ihm sprechen“.
So konfrontiert sie Menschen mit wahrer, unverfälschter Zuneigung, die sie bereits erlebt haben – selbst wenn diese Liebe von der Person im Moment verdrängt oder abgelehnt wird.
Sie selbst äußert dazu sinngemäß, dass Liebe, die existiert, nicht einfach ausgelöscht oder geleugnet werden darf.
In einem entscheidenden Moment hilft sie Subaru damit, der am Rand der Verzweiflung steht.
Indem sie ihm die Stimmen und Bilder derjenigen ins Bewusstsein ruft, die ihn wirklich lieben, hindert sie ihn daran, innerlich endgültig zu zerbrechen.
Diese Fähigkeit zeigt Carmillas komplizierte Beziehung zur Liebe:
Sie ist durch sie traumatisiert, aber sie respektiert ihre Existenz und will nicht, dass echte Liebe ungestraft verneint wird.
Carmilla ist eine Hexe, die mit dem Thema „Wollust“ und „Liebe“ so sehr verschmolzen ist, dass sie beides kaum noch von Schmerz trennen kann.
Ihre Fähigkeit sorgt dafür, dass sie ständig geliebt, angebetet oder angegafft wird – aber niemals wirklich als sie selbst.
Sie wird „geliebt“, aber nicht gesehen.
Die Welt richtet ihre Fantasien auf sie, nicht ihre ehrliche Wahrnehmung.
Ihr extremer Egozentrismus – ihre Selbstliebe – ist zu einem guten Teil ein verzweifelter Rettungsanker:
Wenn niemand sie als die Person sieht, die sie wirklich ist, will sie wenigstens sich selbst so gut wie möglich lieben.
Sie klammert sich an sich selbst, weil sonst niemand das echte Mädchen hinter der „Gesichtslosen Göttin“ zu sehen scheint.
Diese Kombination aus unfreiwilliger Verführung, feindseliger Überforderung durch fremde Projektionen und tiefem Bedürfnis nach echter, einfacher Zuneigung macht sie zu einer der tragischsten Figuren unter den Hexen.
Frühes Leben als Dorfmädchen
Carmilla war ursprünglich ein ganz gewöhnliches Mädchen aus einem kleinen Dorf.
Sie hatte Geschwister, lebte bei ihren Eltern und wuchs in einer einfachen, aber liebevollen Umgebung auf.
Ihre Familie liebte sie, ihre Geschwister auch, und sie liebte alle zurück.
Ihr Alltag war schlicht, aber erfüllend – ein typisches, unspektakuläres Dorfleben.
Sie hatte zudem einen Verlobten – nach den Traditionen ihres Dorfes war ihre zukünftige Ehe bereits arrangiert.
Alles deutete auf ein ruhiges, friedliches Leben hin.
Das Erwachen des Hexenfaktors
Irgendwann manifestierte sich in ihr der Hexenfaktor der Wollust.
Mit ihm kamen ihre gefährlichen Fähigkeiten – und sie begannen, ihr Leben dramatisch zu verändern.
Zeitgleich geriet sie ins Visier der lokalen Herrscher eines kleinen Königreichs, das ihr Dorf kontrollierte.
Ein mächtiger Vertreter dieser Obrigkeit wollte sie gewaltsam an sich reißen.
Rebellion und Überhöhung zur „Heiligen Kriegerin“
Die Dorfbewohner waren zunächst machtlos gegenüber der Gewalt des Herrschers.
Doch Carmilla war von allen geliebt – von ihrer Familie, ihrem Verlobten, den Nachbarn.
Die Vorstellung, sie kampflos dem Tyrannen zu überlassen, war für sie unerträglich.
Also formierte sich eine Rebellion: Unter Führung ihres Verlobten schloss sich das ganze Dorf zu einem Aufstand zusammen.
Obwohl es nur eine kleine, ländliche Streitkraft war, unterschätzte das Königreich die Entschlossenheit der Rebellen.
Die Truppen des Herrschers wurden immer wieder zurückgeschlagen.
Carmilla wurde dabei zunehmend idealisiert.
Als Verlobte des Rebellenanführers und Symbolfigur der Bewegung wurde sie zur „Heiligen“ oder „Kriegsprinzessin“ hochstilisiert – eine perfekte, projizierte Heldengestalt.
Alle sahen in ihr etwas anderes: Hoffnung, Gerechtigkeit, Erlösung, Schönheit, die Erfüllung ihrer Träume.
Doch immer weniger Menschen sahen das eigentliche Mädchen Carmilla.
Die Erwartungen und Projektionen wuchsen und wuchsen.
Unter dieser Last begann sie innerlich zusammenzubrechen, überfordert von einem Bild, dem sie niemals entsprechen konnte.
Eskalation der Gewalt
Die Rebellion gewann immer mehr Fahrt.
Was als Verteidigung gegen eine einzelne Machtwillkür begonnen hatte, entartete in einen Kreuzzug.
Am Ende wurde nicht nur das kleine Königreich, das ihr Dorf beherrscht hatte, gestürzt.
Die Rebellion breitete sich aus und stürzte auch die übergeordnete Großmacht – ein gesamtes Land wurde in die Knie gezwungen.
Nach der Zerstörung standen Flammen, Ruinen und Berge von Leichen.
Inmitten dieser Kulisse gestand ihr Verlobter ihr seine Liebe – umgeben von jubelnden Menschen, die sie als Symbol ihres Sieges bejubelten.
Doch für Carmilla war diese Szene der pure Horror:
Sie hatte nie einen blutigen Umsturz gewollt.
Sie wollte nur ihr ruhiges, liebevolles Leben zurück – ihre Familie, ihr Dorf, ihre Normalität.
Jetzt war alles verwüstet.
Die Menschen um sie herum liebten sie, aber nicht als Mensch, sondern als Ideal, als Projektionsfläche.
Aus ihrer Sicht war niemand mehr da, der wirklich „sie“ liebte.
Es gab nur noch fanatische Jünger, Träumer und Idealisierer.
Flucht und endlose Verfolgung durch Liebe
Carmilla floh.
Sie ließ ihren Verlobten, ihre Kampfgefährten, alles hinter sich und versuchte, aus dieser verzerrten Welt der falschen Liebe zu entkommen.
Doch selbst auf der Flucht hörte die Wirkung ihres Hexenfaktors nicht auf.
Wo immer sie auftauchte, wurde sie erneut „geliebt“ – nicht als Person, sondern als Idealbild.
Fremde Menschen projizierten ihre Sehnsüchte, Fantasien und Wünsche auf sie.
Die „Gesichtslose Göttin“ ließ sie nicht mehr los; sie war für immer zum Objekt fremder Vorstellungen geworden.
Sie wurde in einem paradoxen Zustand gefangen:
Von allen geliebt, aber von niemandem wahrhaft gesehen.
Ihr Bedürfnis nach echter Liebe, wie sie sie einst bei ihrer Familie erlebt hatte, blieb unerfüllt.
Ihre übersteigerte Selbstliebe kann deshalb als verzweifelter Versuch gelesen werden, diesen Verlust auszugleichen.
Wenn niemand die echte Carmilla lieben kann, versucht sie zumindest selbst, sich so gut wie möglich zu lieben.
Tod im Feuer
Ihr Ende kam in einem gewaltigen Feuer.
Carmilla starb, indem sie vollständig in Flammen aufging – ein passendes, tragisches Finale für jemanden, der zu einem Symbol brennender Leidenschaften und zerstörerischer Liebe geworden war.
Ihr Körper ging in der Feuersbrunst zugrunde, doch ihre Geschichte hallte nach.
Später wurde ihre Seele von Echidna eingefangen und zu einem Teil von Echidnas geistiger Welt, in der Carmilla gewissermaßen „weiterlebt“.
Carmilla wollte die Welt ursprünglich mit Liebe erfüllen, sogar nicht-menschlichen Wesen Gefühle schenken.
Sie glaubte, dass Gefühle die Welt reich und lebendig machen.
Doch ihre Kräfte verdrehten diese Liebe.
Menschen verloren sich in Illusionen, töteten für Ideale und vergaßen die realen Personen hinter ihren Projektionen.
Carmilla selbst sieht Liebe als etwas, das man nicht verleugnen darf.
Wenn ein Mensch einen anderen liebt, dann ist das eine Wahrheit, die besteht – selbst, wenn sie schmerzhaft oder unbequem ist.
Sie verzeiht vieles nicht, aber sie akzeptiert die Existenz von Liebe konsequent.
Darum hilft sie auch Subaru, als er seine Bindungen zu anderen abzuschreiben droht, indem sie ihm vor Augen führt, dass diese Liebe, die ihm entgegengebracht wird, real ist.
Carmillas spezielles Verhältnis zur Liebe hat auch Einfluss auf das, was sie sich von einem Partner erhofft.
Da sie ihr Leben lang unfreiwillig im Zentrum fremder Verliebtheit stand, ist sie von „bedingungsloser Anbetung“ eher angewidert und müde.
Ihr Idealtyp ist ein Mann, der sich überhaupt nicht für sie interessiert.
Jemand, der sie nicht automatisch idealisiert, der ihrem Zwangs-Charme widersteht und sie nicht als Projektionsfläche benutzt.
Ein scherzhafter Vergleich in der Welt von „Re:Zero“ besagt, dass ihr idealer Mann eine männliche Version von Daphne wäre.
Gerade diese Art von völliger Unbeeindruckbarkeit scheint für Carmilla äußerst anziehend zu sein – weil es ihr die Chance geben würde, endlich einmal als echte Person wahrgenommen zu werden, statt als „Göttin der Wollust“.
Trotz der tödlichen Wirkung ihrer „Gesichtslosen Göttin“ gab es Menschen, die ihrer Macht zumindest teilweise widerstehen konnten.
Sie starben nicht sofort, wenn sie Carmilla ansahen, sondern hielten der erzwungenen Faszination stand.
Diese Personen bildeten so etwas wie ihre „Leibgarde“.
Sie standen ihr nahe, beschützten sie und dienten als lebender Beweis dafür, dass es Menschen mit genügend mentaler Stärke gibt, deren Liebe oder Bindung an sie selbst den Tod überdauert.
Ob das jedoch „wahre“ Liebe war oder lediglich eine noch extremere Form blinder Verehrung, bleibt fraglich.
In einer Welt, in der Carmillas Präsenz die Wahrnehmung verzerrt, ist es schwer, echte Gefühle von durch Magie verstärkten Obsessionen zu unterscheiden.
Der Name „Carmilla“ geht auf die gleichnamige Figur aus einer klassischen Schauergeschichte zurück.
In dieser Geschichte ist Carmilla eine weibliche Vampirin, die für ihre erotisch aufgeladenen, oft homoerotischen Szenen bekannt ist.
Im Vergleich zu anderen Hexen, deren Namen meist aus alten Mythen stammen, fällt Carmillas Name daher etwas aus dem Rahmen.
Allerdings passt die Assoziation mit erotischer Verführung und verheerender Anziehungskraft sehr gut zu ihrem Titel als „Hexe der Wollust“.
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