Planetarian (jap. *planetarian 〜ちいさなほしのゆめ〜*) ist ein 2004 veröffentlichtes visuelles Science-Fantasy-Abenteuerspiel der Marke Key, das in einem verlassenen Planetarium spielt und später als Roman, Drama-CD, Web-Anime, Kinofilm und OVA adaptiert wurde.
Planetarian war der erste Titel der von Visual Arts veröffentlichten Reihe der sogenannten Kinetic Novels.
Im Zentrum steht die Begegnung zwischen einem einsamen Plünderer und einem Mädchen-Roboter in einer verwüsteten Zukunft.
Die Geschichte verbindet Endzeit-SF mit leiser Melancholie und einem starken Fokus auf Menschlichkeit.
Gerade diese ruhige, emotionale Mischung machte das Werk zu einem der bekanntesten kürzeren Titel von Key.
Laut Shinji Orito bildet das Werk zusammen mit *Harmonia* und *Tsui no Stella* eine lose „Roboter-Trilogie“.
Über viele Jahre hinweg wurde Planetarian auf zahlreiche Plattformen portiert und schließlich auch umfassend animiert.
Grundsituation
Die Welt wurde durch einen globalen Krieg verwüstet.
Die Bevölkerung ist stark geschrumpft, Sonnenlicht erreicht den Boden kaum noch, und aus dichten Wolken fällt ständig schädlicher Regen.
In diese trostlose Zukunft dringt ein sogenannter Plünderer in eine versiegelte Stadt ein.
Er sucht nach verwertbaren Resten aus der alten Welt und landet dabei in den Ruinen eines Kaufhauses.
Auf dem Dach findet er ein Planetarium, das auf seltsame Weise noch mit Strom versorgt wird.
Dort begegnet er Yumemi Hoshino, einem weiblich wirkenden Roboter, der seit Jahrzehnten auf Besucher wartet.
Die Begegnung im Planetarium
Yumemi begrüßt den Fremden begeistert als einen besonderen Gast.
Obwohl ihre Systeme bereits beschädigt sind, bemüht sie sich mit unerschütterlicher Höflichkeit darum, ihm eine Sternenvorführung zu zeigen.
Der Mann, nur als The Junker bekannt, ist anfangs kühl und misstrauisch.
Doch während er den alten Projektor repariert und Zeit mit Yumemi verbringt, verändert sich seine Haltung langsam.
Aus einer zufälligen Begegnung entsteht eine stille, berührende Beziehung.
Gerade die Gegensätze zwischen nüchternem Überlebensinstinkt und unverdorbener Freundlichkeit tragen die Geschichte.
Veröffentlichungen
Die ursprüngliche Windows-Downloadversion erschien Ende 2004.
Später folgten unter anderem Fassungen für PlayStation 2, PSP, Mobiltelefone, iOS, Android, Nintendo Switch und weitere PC-Neuauflagen.
2006 erschien eine PC-Paketversion mit erweitertem Inhalt.
Danach kamen mehrere überarbeitete Editionen heraus, darunter eine Memorial Edition, eine HD Edition und eine Ultimate Edition.
Die Konsolen- und Mobilversionen wurden von Prototype veröffentlicht.
Die PC-Fassungen erschienen über Key beziehungsweise Visual Arts.
Spielkonzept
Planetarian ist eine Kinetic Novel.
Das bedeutet, dass die Geschichte ohne Verzweigungen und ohne Entscheidungen des Spielers abläuft.
Der Reiz liegt nicht im Gameplay im klassischen Sinn, sondern in Atmosphäre, Musik und Erzählung.
Das Werk setzt ganz auf Inszenierung, Text und emotionale Wirkung.
Entwicklerstab des Spiels
Szenario und Konzept stammen von Yūichi Suzumoto.
Charakter- und Mechanikdesign wurden von E-ji Komatsu gestaltet.
Die Musik der ursprünglichen Spielversion komponierte Magome Togoshi.
Das Abspannlied ist eine Bearbeitung von Kenji Miyazawas „Hoshi Meguri no Uta“.
Die versiegelte Stadt
Ein zentraler Begriff der Geschichte ist die versiegelte Stadt.
Dabei handelt es sich um ein urbanes Gebiet, das nach dem Einsatz genetischer biologischer Waffen aufgegeben und abgeschottet wurde.
Riesige Mauern und eine gewaltige Überdachung sollten die Ausbreitung der Erreger verhindern.
Die Bewohner mussten fliehen, während im Inneren unzählige Waren und Maschinen zurückblieben.
Später starben die Erreger zwar ab, doch automatische Verteidigungssysteme blieben aktiv.
Deshalb gelten solche Orte weiterhin als extrem gefährlich.
Vorbilder aus der Realität
Das fiktive Kaufhaus „Hanabishi“ basiert auf realen Motiven aus Hamamatsu.
Auch das Planetarium selbst orientiert sich an existierenden Einrichtungen wie dem Wissenschaftsmuseum Nagoya und dem Städtischen Astronomiemuseum Akashi.
Diese reale Verankerung verleiht der Welt einen eigentümlich greifbaren Charme.
Gerade dadurch wirkt die Ruinenlandschaft gleichzeitig fantastisch und glaubwürdig.
Hauptfiguren
Yumemi Hoshino
Yumemi Hoshino ist die Heldin der Geschichte und wird von Keiko Suzuki gesprochen.
Sie ist ein Planetariumsroboter mit der Modellbezeichnung SCR5000 Si/FL CAPELII.
Sie liebt Gespräche, möchte Menschen glücklich machen und nimmt ihre Aufgabe sehr ernst.
Selbst nach jahrzehntelangem Verfall begrüßt sie Besucher mit beinahe unerschütterlicher Herzlichkeit.
Ihr Äußeres entspricht etwa einem 15- bis 16-jährigen Mädchen.
Ihr Körper besteht aus Metalllegierungen, und ihre „Haare“ dienen zugleich als Wärmeaustauschsystem.
Da sie über viele Jahre kaum gewartet wurde, erkennt sie selbst, dass sie „ein wenig kaputt“ ist.
Genau diese Mischung aus Fehlfunktionen und aufrichtiger Hingabe macht sie so unvergesslich.
The Junker
The Junker wird von Daisuke Ono gesprochen.
Sein wirklicher Name bleibt unbekannt.
Er ist ein Schrottsammler und Überlebender aus den harten Verhältnissen der Nachkriegswelt.
Anfangs begegnet er Yumemi mit Ironie und Distanz, doch seine Zeit im Planetarium verändert ihn tiefgreifend.
Er ist pragmatisch, erfahren und von einer rauen Lebensrealität geprägt.
Gerade deshalb wirken seine langsam aufbrechenden Gefühle umso stärker.
Weitere wichtige Figuren
Der Direktor erscheint in Yumemis Erinnerungen als Leiter des Planetariums.
Er verkörpert die friedliche Zeit vor dem Zusammenbruch.
Ein alter Junker taucht in Rückblicken von The Junker auf.
Er war einst sein Partner und prägte seine skeptische Haltung gegenüber Maschinen.
Die Kurzgeschichtensammlung
Zum Spiel erschien eine Sammlung aus vier Kurzgeschichten.
Sie ergänzt die Hauptgeschichte um Vorgeschichten, Nachklänge und zusätzliche Weltdeutung.
Der Untertitel verweist auf vier Leitmotive: Sternbilder, Sprache, Gott und Roboter.
Später wurde die Sammlung auch regulär als Buch veröffentlicht.
Snow Globe
Snow Globe erzählt eine Vorgeschichte aus friedlicheren Tagen.
Yumemi arbeitet seit zehn Jahren im Planetarium des Kaufhauses, als sie plötzlich ohne ersichtlichen Grund die Anlage verlässt und durch die Stadt wandert.
Ihre Kollegin Satomi Kurahashi verfolgt sie und versucht, das Verhalten zu verstehen.
Die Geschichte wirkt ruhig und rätselhaft und zeigt Yumemi von einer besonders sanften Seite.
Jerusalem
Jerusalem spielt in einer späteren Kriegsphase, in der klassische Staaten bereits zerfallen sind.
Ein Scharfschützentrupp der südamerikanischen Streitkräfte stößt auf eine geheimnisvolle Nonne in einer Kirche in Patagonien.
Die Erzählung ist deutlich härter und militärischer als die Hauptgeschichte.
Sie erweitert das Universum um eine düstere Perspektive auf den Krieg.
Hoshi no Hito
Hoshi no Hito schildert eine ferne Zeit, in der die Luft kaum noch atembar ist und Schnee die Oberfläche bedeckt.
Drei Kinder finden einen alten Mann, der von den Menschen ehrfürchtig „Sternenmensch“ genannt wird.
Diese Geschichte bildet die Grundlage für den späteren Kinofilm.
Sie gehört zu den emotional stärksten Teilen des gesamten Franchise.
Chircis und Amanto
Die Erzählung Chircis und Amanto handelt von Zwillingen, die in einer isolierten Welt lernen und nach dem Sinn ihres Tuns fragen.
Sie wirkt philosophischer und stärker symbolisch als die übrigen Episoden.
Drama-CDs
Die vier Erzählungen wurden auch als Drama-CDs umgesetzt.
Dabei erhielten sie leichte Anpassungen und eine eigene akustische Atmosphäre.
*Snow Globe* erschien zunächst 2006 in limitierter Form.
*Jerusalem* und *Hoshi no Hito* folgten 2007, wobei *Chircis und Amanto* als Bonus beigefügt wurde.
Entstehung
Die Anime-Adaption wurde 2016 angekündigt.
Das Projekt bestand aus zwei Teilen: einer Web-Serie und einem Kinofilm.
Die Web-Serie planetarian 〜ちいさなほしのゆめ〜 lief vom 7. Juli bis 4. August 2016.
Sie umfasst fünf Episoden und wurde von david production produziert.
Regie führte Naokatsu Tsuda.
Das Drehbuch schrieben Shōgo Yasukawa und Tsuda.
Stil und Ausrichtung
Die Web-Version konzentriert sich stark auf Yumemis Perspektive.
Sie übernimmt den Kern der Spielhandlung und erzählt ihn in kompakter, filmischer Form.
Statt wie eine typische Fernsehserie zu wirken, setzt die Umsetzung auf dichte Stimmung und vorsichtiges Tempo.
So bleibt der leise, intime Charakter der Vorlage erhalten.
Musik
Die Musik des Anime stammt von Shinji Orito, Donmaru und Tomohiro Takeshita.
Die Web-Serie nutzt sanfte, oft zarte Klangfarben, die Yumemis Sichtweise unterstreichen.
Als Ending erklang in den ersten Folgen „Twinkle Starlight“.
In der letzten Folge wurde erneut „Hoshi Meguri no Uta“ verwendet.
Planetarian: Hoshi no Hito
Der Film planetarian 〜星の人〜 kam am 3. September 2016 in die japanischen Kinos.
Er verbindet neu montierte Teile der Hauptgeschichte mit der späteren Erzählung um den alten Sternenwanderer.
Auch hier führte Naokatsu Tsuda Regie.
Die Produktion übernahm ebenfalls david production, der Verleih lag bei Asmik Ace.
Der Film läuft 117 Minuten.
Im Mittelpunkt steht nun stärker die Lebensgeschichte von The Junker und seine Entwicklung über viele Jahre hinweg.
Besonderheiten
Während die Web-Serie vor allem Yumemi folgt, betrachtet der Film die Ereignisse stärker aus der Sicht des Mannes.
Dadurch wirkt dieselbe Geschichte noch einmal anders, größer und rückblickender.
Das zentrale Titellied des Films ist „Hoshi no Fune“, gesungen von Lia.
Der Film spielte in Japan rund 62 Millionen Yen ein.
Planetarian: Snow Globe
Die OVA planetarian 〜雪圏球〜 basiert auf der gleichnamigen Vorgeschichte.
Sie wurde durch Crowdfunding ermöglicht und 2021 veröffentlicht.
Regie führte Jin Tamamura, das Studio war Okuruto Noboru.
Das Projekt zeigt die friedliche Vorkriegszeit und das Alltagsleben im Planetarium.
Die OVA wirkt heller und wärmer als die Hauptgeschichte.
Gerade dadurch gewinnt ihr späterer Verlust an Gewicht.
Produzent Hiroyuki Aoi wollte Planetarian schon früh als Anime realisieren.
Ausschlaggebend waren die zeitlose Thematik, die emotionale Kraft des Werks und die Idee, den ursprünglich als Downloadtitel gestarteten Stoff wieder über moderne Netzverbreitung zugänglich zu machen.
Naokatsu Tsuda übernahm die Regie aus persönlicher Begeisterung für Key-Werke.
Er achtete darauf, die Vorlage mit Respekt zu behandeln und gleichzeitig filmisch neu zu formen.
Ein TV-Sendeformat wurde bewusst vermieden.
Zum einen ist die Geschichte kurz, zum anderen wäre die Bezeichnung von The Junker im japanischen Fernsehen problematisch gewesen.
Die beiden wichtigsten Rollen blieben über Spiel, Drama-CD und Anime hinweg konsistent.
Yumemi Hoshino wird von Keiko Suzuki gesprochen, The Junker von Daisuke Ono.
Für den gealterten Sternenmenschen im Kinofilm wurde Tamio Ōki besetzt.
Seine Darstellung gilt als besonders eindrucksvoll und wurde nach seinem Tod auch als bedeutender Spätpunkt seiner Karriere wahrgenommen.
Andere Rollen wurden für den Anime weitgehend neu besetzt.
So erhielten die Nebenfiguren eine frische, moderne Tonlage.
Die erste PC-Version wurde 2004 zunächst exklusiv für Yahoo-BB-Nutzer angeboten.
Kurz darauf folgte der allgemeine Downloadverkauf.
2006 erschienen die Paketversion und die PS2-Portierung.
Später kamen Mobilfassungen, eine PSP-Version und mehrere Sondereditionen hinzu.
2011 wurde eine PSP-Charity-Version zugunsten der Opfer des Tōhoku-Erdbebens verkauft.
Dabei kamen insgesamt rund 20 Millionen Yen an Spenden zusammen.
2016 startete die Anime-Reihe, außerdem erschien eine HD-Fassung für PC.
Im selben Jahr wurde auch eine englisch lokalisierte Steam-Version veröffentlicht.
2019 folgte die Switch-Version.
2021 erschienen die OVA Snow Globe und die Ultimate Edition des Spiels.
Die Paketversion des Spiels verkaufte sich in ihrer Erstauflage über 40.000 Mal.
Die ursprüngliche Downloadversion startete dagegen mit nur etwa 200 Verkäufen am ersten Tag.
Später wurde von Verantwortlichen rückblickend eingeräumt, dass die damalige Vertriebsstrategie wohl nicht optimal war.
Langfristig entwickelte sich Planetarian dennoch zu einem beständigen Kulttitel mit treuer Fangemeinde.
Figuren aus Planetarian treten auch im Crossover-Anime Kaginado auf.
Dort erscheinen Charaktere aus mehreren Werken von Key gemeinsam in einer komödiantischen Form.
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