AKIRA ist ein japanischer Science-Fiction-Manga von Katsuhiro Otomo, der von 1982 bis 1990 im *Weekly Young Magazine* des Verlags Kodansha erschien und 1988 von Otomo selbst als Zeichentrickfilm adaptiert wurde.
Ausgangslage
Am 6. Dezember 1982 zerstört eine mysteriöse Explosion Tokio und löst den Dritten Weltkrieg aus. Die Geschichte spielt im Jahr 2019 in Neo-Tokio, einer auf Trümmern erbauten, von sozialen Unruhen geprägten Metropole, die sich auf die Olympischen Spiele 2020 vorbereitet.
Der Auslöser
Der jugendliche Motorradrocker Tetsuo Shima kollidiert auf einer alten Highway-Strecke mit einem fliehenden Laborversuchsobjekt, dem greisenhaften Jungen Takashi, und verletzt sich schwer. Dieser Vorfall weckt in Tetsuo latente psionische Kräfte, die ihn zunehmend verändern.
Tetsuos Aufstieg und Fall
Tetsuos Persönlichkeit wandelt sich von schüchtern zu größenwahnsinnig. Er entkommt dem Militär, reißt die Kontrolle über die Bande seines Rivalen an sich und wird von der Besessenheit getrieben, die unter dem Olympiastadion tiefgefrorene Quelle aller Macht zu befreien: Akira.
Das Erwachen Akiras
Anders als die anderen Nummerierten ist Akira eine entfesselte Urgewalt, die einst Tokio vernichtete. Tetsuos Suche nach ihm löst eine Kettenreaktion aus: politische Intrigen, einen Militärputsch und schließlich Akiras zweites Erwachen, das Neo-Tokio in einem apokalyptischen Lichtsturm in Schutt und Asche legt.
Finale Konfrontation
In der anarchischen Trümmerwüste errichtet Tetsuo das Imperium Groß-Tokio, während sein Körper durch die unkontrollierbare Macht zu einer amorphen Masse mutiert. Sein früherer Freund Shoutarou Kaneda stellt sich ihm in einem letzten Kampf, der in ein neues Universum führt und die Welt in einem Zustand des Wiederaufbruchs zurücklässt.
Hauptfiguren
Shoutarou Kaneda: Der rebellische, selbstbewusste Anführer einer Motorradgang und Tetsuos bester Freund aus Kindertagen. Mit seiner rot lackierten Maschine und unerschütterlichen Loyalität wird er vom sorgenfreien Raufbold zum Ankerpunkt der Handlung.
Tetsuo Shima: Ein unsicherer Junge mit Minderwertigkeitskomplexen, der durch seine neu entdeckte übersinnliche Macht zum unberechenbaren Antagonisten wird. Seine Tragödie ist die Zerstörung, die er aus einem tiefen Bedürfnis nach Anerkennung heraus verursacht.
Akira: Ein kindliches Wesen von nahezu gottgleicher Zerstörungskraft, das ohne eigene Emotionen in Kälteschlaf versetzt wurde. Als ultimative Waffe und leere Hülle zugleich wird er zum Spielball aller Konfliktparteien.
Weitere Schlüsselpersonen
Kei: Eine mutige Rebellin, die sich aus der Untergrundbewegung zur langsam heranreifenden spirituellen Waffe gegen Tetsuo entwickelt und Kanedas Partnerin wird.
Oberst Shikishima: Der willensstarke, hochgewachsene Militärchef, der das gescheiterte Projekt der Nummerierten verwaltet und bereit ist, einen Putsch durchzuführen, um eine zweite Apokalypse zu verhindern.
Die Nummerierten: Versprengte Kinder mit greisenhaften Zügen und spezialisierten Spezialkräften. Sie sind die gespenstischen Warnrufer und letzten Verteidiger gegen die entfesselte Macht.
Katsuhiro Otomo konzipierte *AKIRA* als epische Neuinterpretation von Yokoyama Mitsuterus *Tetsujin 28-go*, was sich in den Figurennamen und der Grundkonstellation einer im Frieden entdeckten Superwaffe widerspiegelt. Akiras Nummer 28 ist eine direkte Hommage an diesen klassischen Riesenroboter. Otomo ließ die Handlung ohne starren Plan wachsen und erschuf so eine sich organisch ausbreitende, chaotische Welt, die seine Faszination für das sich ständig wandelnde Tokio der Nachkriegszeit spiegelt.
Das Werk revolutionierte die Wahrnehmung von Manga als ernsthafte Kunstform für Erwachsene und prägte entscheidend die visuelle Ästhetik des Cyberpunk. Motive wie Kanedas ikonischer fahrbarer Untersatz wurden in Filmen wie *Ready Player One* zitiert. In der Musikbranche ließ sich Kanye West für seinen *Stronger*-Videoclip inspirieren, während die Serien *Stranger Things* und der Film *Chronicle* tiefe thematische Fingerabdrücke von *AKIRA* tragen. Die wellenförmigen Auswirkungen reichen bis in die Streetwear, wo Supreme eine erfolgreiche Kollektion zu dem Franchise herausbrachte.
Kinofilm von 1988
Unter Otomos eigener Regie entstand ein visuell überwältigender Zeichentrickfilm, der als Meilenstein gilt und weltweit die erste Generation von Anime-Fans außerhalb Japans prägte.
Unvollendete Realverfilmung
Seit 2002 versucht Warner Bros., einen Realfilm zu realisieren. Das Projekt durchlief wechselnde Regisseure und Stars, darunter Taika Waititi, und sah sich mit Budget- und Castingproblemen konfrontiert. 2025 gab das Studio die Rechte endgültig zurück, woraufhin sofort neue Interessenten aus der Streaming-Branche anklopften.
Das Werk gewann 1984 den Kodansha-Manga-Preis und 1992 sowie 2002 den renommierten amerikanischen Eisner Award in Kategorien wie Beste Kolorierung und Beste Archiv-Edition, was seinen Status als globales künstlerisches Phänomen unterstrich.
Die Serie erschien in Japan in sechs massiven Hardcoverbänden im KC-Deluxe-Format. Für den internationalen Markt wurde sie gespiegelt und aufwändig koloriert, wodurch eine völlig neue Farbausgabe des schwarzweißen Originals entstand.
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